26/03: Die Achillesfersen der AKW
In diesen Tagen jährt sich Fukushima zum 15. und Tschernobyl zum 40. Mal. Viele erinnern sich gut an die Unsicherheiten und Ungewissheiten nach dem Atomunfall 1986 im Norden der Ukraine. Wolken mit radioaktivem Staub zogen über Europa und der Verzehr von Frühgemüse und später Waldfrüchten wurde regional untersagt. Selbst Milch stand im Verdacht, kontaminiert zu sein.
Eine nukleare Katastrophe geht mit der Zeit in Vergessenheit. Neue Generationen und Ereignisse wie Pandemien oder Kriege lassen die Aufmerksamkeit auf alltägliche Risiken verblassen. Dennoch geht von den Nuklearanlagen weltweit stets ein Risiko aus. Dieses Risiko steigt mit politischer Destabilisierung. So zeigt der Krieg in der Ukraine, wie schnell ein AKW wie jenes in Saporischschja in die Kampfzone gerät und eine Katastrophe jederzeit möglich ist.
Kriege sind ein Chaoszustand und eine falsche Entscheidung kann unendliches Leid verursachen. Und wie sieht es bei uns aus? Wir haben weltweit die ältesten AKWs im Schweizer Mittelland. Der Zahn der Zeit und das radioaktive Bombardement ermüden die Materialien. Die Alterung schreitet rascher voran und Störungen sind öfters möglich.
Ins Gewicht fallen auch Sicherheitskontrollen, welche über Jahrzehnte Mängel nicht richtig beurteilt haben. Erst 2025 forderte das Ensi das AKW Gösgen auf, ein Rohrbruchrisiko durch gefederte Sicherheitsklappen zu beheben. Der Mangel bestand seit dem Betriebsstart 1979, wurde in den folgenden Jahren dokumentiert aber erst nach über vierzig Jahren zur Verbesserung eingefordert. Seit Mai 2025 steht das AKW für Reparaturen still. Darum fehlt in diesen Wintermonaten ca. 15% Strom aus Gösgen. Ein aktueller Aufruf zum Stromsparen wie etwa zu Beginn des Ukrainekriegs erfolgte nicht. Es geht offenbar auch ohne AKWs.
Das war nicht der einzige Wegfall von Atomenergie im Jahr 2025, denn AKWs ohne Kühlung sind gefährlich. Im Sommer 2025 mussten Beznau I und II die Produktion drosseln. Es bestand die Gefahr, dass die AKW-Abwärme die Aare für Fische zu einem tödlichen Lebensraum macht. Auch der Kühlturm in Leibstadt setzt Flusswasser ein. Dazu wird dem Rhein Wasser entnommen und zur Kühlung verdunstet. Neben der Erwärmung des Flusswassers ist auch die Senkung der Flusspegelstände eine Belastung für die Natur.
Fehlt das Kühlwasser über Monate, sind AKWs keine Energielieferanten. AKWs werden zu Klumpenrisiken. Photovoltaik- und Windenergieanlagen kommen ohne Wasser aus und haben als dezentrale Stromlieferanten strategische Vorteile. Sie sind im Klimawandel sichere Energielieferanten, wenn andere im grossen Netz ausfallen. Dezentralität, also in unserer Region produziert, bekommt seinen verdienten Wert.
Weltweit sind die Investitionen in erneuerbare Energien höher als in traditionelle Werke. In der EU produzierten erneuerbare Energien 2025 mehr Strom als Kohlekraftwerke. Entwicklungsländer setzen auf die Sonne statt auf Erdöl und Erdgas. Die Schweizer PV-Anlagen liefern im Winter die Leistung des eingemotteten AKW Mühleberg. In wenigen Jahren werden die zugebauten PV-Anlagen im Winter auch Beznau I und II ersetzen. Und im Sommer braucht es überhaupt keinen Atomstrom mehr. Unsere KMUs sind bei erneuerbaren Energien führend - schenken wir ihnen auch hierzulande unser Vertrauen. Packen wir die Energiewende an. Sie erspart uns zu teure und verspätete AKWs und die Kosten bei Klimaschäden.
Thomas Feer, Co-Präsident GRÜNE Weinland.