Beenden wir das Atomzeitalter – jetzt!
Ein Atomkraftwerk kann man nie zu früh abstellen, nur zu spät.
Noch etwas mehr als 20 Tage, dann ist es so weit – die Schweiz kann aus der Atomenergie aussteigen. Die Chancen für einen Erfolg sind gross, die Energielobby ist nervös. Die Argumentation wird immer verrückter. So erklärt Bundesrätin Leuthard in der Arena, dass Sicherheit ausschliesslich von Experten beurteilt werden darf, aber nie von PolitikerInnen. Am nächsten Tag wird bekannt, dass die AXPO die gültigen Sicherheitsbestimmungen nicht akzeptiert und auf gerichtlichem Weg anficht. Guten Tag Juristen, Tschüss Experten.
Und das liebe Geld: Vier Milliarden Franken will die AXPO als Entschädigung, falls Beznau abgestellt werden muss. Dabei ist Beznau schon abgestellt, und kein Mensch weiss, ob Beznau je wieder ans Netz angeschlossen wird. Vier Milliarden für ein 50 Jahre altes AKW! Das Geld wäre der AXPO natürlich sehr willkommen, da es ihr – wie den meisten Stromkonzernen – finanziell sehr schlecht geht. Das Strombusiness rentiert nicht mehr, die Strompreise sind im Keller. Daher müssen die AKWs so lange wie möglich weiterlaufen, um noch ein paar Jahre Strom produzieren zu können, egal wie viele Löcher schon in der Hülle sind. Zum Vergleich: Für mögliche Schadenfälle haftet die AXPO mit 1.2 Milliarden Franken. Wissen Sie, ob ihr eigenes Haus oder ihre Wohnung gegen einen Atomunfall versichert ist? Vergessen Sie es – dieses Risiko übernimmt keine Versicherung.
Kürzlich habe ich auf Youtube ein Video über den ersten Atom-Unfall in der Schweiz angeschaut. Grotesk, wie man vor 50 Jahren an die Zukunft der Atomkraft glaubte. Lauter jubelnde Männer, als Lucens in Betrieb genommen wird. Nur die Mädchen der Töchterschule in Lucens sind etwas besorgt – wer weiss, was geschehen kann, wenn da plötzlich Atomstrom aus der Steckdose kommt. Kann man mit Atomstrom auch bügeln und kochen? In der Felskaverne in Lucens brannte der Atom-Reaktor, die Uranstäbe schmolzen. Die Abfälle lagern heute in versiegelten Containern in Würenlingen, in Lucens werden noch heute alle zwei Wochen Wasserproben genommen und auf Radioaktivität untersucht. Nach fast 50 Jahren sind die Spuren des Unfalls noch lange nicht beseitigt.
JA: Der Ausstieg ist möglich. Die Stadt Zürich macht es vor. Im Sommer haben die Stadtzürcher Stimmberechtigten entschieden, die letzten Anteile an den Atomkraftwerken zu verkaufen, und damit definitiv auszusteigen. Nun soll das Ende des Atomzeitalters auch in der Schweiz besiegelt werden. Unsere Atomkraftwerke sind die ältesten der Welt. Es ist schlicht unverantwortlich, durch Reparieren von Löchern diese Uralt-Maschinen noch ein paar Jährchen länger laufen zu lassen. Ein Atomkraftwerk kann man nie zu früh abstellen, nur zu spät.
Felix Moser, Präsident Grüne Stadt Zürich